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  • AutorenbildDörthe Kähler

Das Leben wählen

Deutsche Juden konnten am 09. November 1938 nicht glauben, was ihnen geschah. Sie hielten das absolut Böse für eine unwirkliche Erzählung. Sie hielten für unmöglich, was ihnen innerhalb nur weniger Stunden zehntausendfach - in Dörfern, Städten, Metropolen - in unserem Land widerfuhr.

Hätten Juden damals schon einen Staat gehabt, einen eigenen, wäre es so nicht geschehen, und erst recht das nicht, was darauf folgte.


Das jüdische Volk sollte tatsächlich ausgelöscht werden, von dieser Erde vertilgt, und viele beteiligten sich daran.

Das Wunder ist: Die Überlebenden zerbrachen 1945 nicht am Unvorstellbaren, aber Wirklichen, was ihnen geschehen war. Das Wunder ist: sie wählten das Leben. Sie entschieden sich für den Aufbau. Sie gründeten und verteidigten ihren eigenen Staat. Damit sie, wenn es denn für das Leben der Kinder sein müßte, nicht nur leben, sondern künftig aufrecht, auf eigenen Füßen, eigenem Land stürben.


Nun war der 07. Oktober 2023. Das Böse wurde erneut wirklich, wurde erneut wahr und vernichtete massenhaft jüdisches Leben. Und doch sehen wir: wieder wählen jüdische (und drusische, beduinische, christliche) Israelis das Leben.


In allen rainStein-Büchern, in denen jüdische Überlebende autobiographisch oder lyrisch zu Wort kommen, in denen sie berichten, wird Schmerz greifbar und die "Dennoch"-Entscheidung für das Leben ganz klar.


Wir können daraus lernen, mit der Welt und mit uns selbst umzugehen.


Und wenn wir nun ebenso an den 09. November 1989 erinnern, sehen wir: Deutschen haben einst, beim Sturz der Mauer, ebenfalls eine Entscheidung getroffen.

Wir müssen uns erinnern und - heute erneut, für alle Juden und für uns, das Leben wählen.

Israel: Das Leben wählen
Israel (Foto: Dörthe Kähler)





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