84 Jahre nach dem Mord
- Dörthe Kähler
- 10. Juli
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli
Meine Großmutter Hanna, über die ich auf dem rainStein-Youtube-Kanal kürzlich eine 12teilige Dokumentation veröffentlichte, wurde am 4. August 1941 ermordet. Sie wurde ermordet, weil es in den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts einen Zeitgeist gab, der Menschen einteilte in "würdig zu leben" und "nicht würdig zu leben". Einige "Wissenschaftler" hatten den Zeitgeist etabliert, Medien hatten ihn propagiert, viele Bürger (nicht nur "in der Partei"!) hatten ihn, als sich die Möglichkeit ergab, aufgegriffen und unterstützt, Gerichte hatten ihn gesetzlich verankert. Und das - von der Möglichkeit, "offen" darüber zu reden bis zur Gesetzgebung und Umsetzung der Gesetze - ging blitzschnell, in wenigen Jahren, ja nur Monaten. Ein Damm war gebrochen, alles weitere kam mit Gewalt.
Wo Menschen sich für befähigt und berechtigt halten, über den Wert anderen Menschenlebens zu urteilen, geschieht überall und immer dasselbe: Sobald "unwertes Leben" ausgemacht wird, werden Menschen ermordet.
In Deutschland geschah dies vor nicht hundert Jahren mit allen Juden! Und es geschah mit Behinderten wie auch mit psychisich Kranken (sowie denen, die man zu solchen erklärt hatte).
1941 wurde Hanna ermordet und in der Youtube-Dokumentation "Großmutter Hanna" kann jeder sehen, wie schnell und wie unausweichlich der Weg vom "Zeitgeist" zum politisch, medizinisch und juristisch legitimierten Mord war.
Morgen, fast genau 84 Jahre nach dem Mord an meiner Großmutter, möchte der Deutsche Bundestag in Berlin für das allerhöchste Richteramt der Republik eine Frau berufen, die geschrieben hat: "Die Annahme, dass die Menschenwürde überall gelte, wo menschliches Leben existiert, ist ein biologistisch-naturalistischer Fehlschluss“.


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