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  • David Geffen

Bert Lewyn: Einer, der die Kristallnacht sah (Teil 4)

„1933 übernahm Hitler die Macht und wurde oberster Herrscher und Diktator Deutschlands. Zu Beginn noch etwa 165.000, waren am Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 1.700 jüdische Berliner am Leben geblieben, indem sie sich in der Stadt versteckten. 3.000 weitere überlebten in den Konzentrationslagern.“ So schreibt der Holocaust-Überlebende Bert Lewyn in seinen Memoiren "Versteckt in Berlin". Lewyn, ein Zeuge der Kristallnacht vor heute 71 Jahren, erinnert uns daran, dass „weniger als 5.000 Berliner Juden übrig blieben, um der Welt mitzuteilen, was sie erlebt hatten. Ich war einer von denen, die überlebten."


Nachdem er von seiner jüdischen Schule nach Hause geschickt worden war, führte Lewyns angeborene Neugier ihn in eines der Zentren Berlins, wo er tatsächlich sah, wie jüdische Ladenbesitzer blutüberströmt zu den Armeelastwagen geschleift und hineingeschoben wurden. Diese Berliner Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt und kehrten nie mehr zurück.

Im späteren Rückblick auf die Kristallnacht erinnerte sich Lewyn an seine damaligen Gefühle. „Warum sollte das deutsche Volk Juden angreifen? Ihre Geschäfte zerstören? Ihre Synagogen niederbrennen? Alte Männer schlagen? Wir waren Deutsche."


1923 als Sohn von Johanna und Leopold Lewin in Berlin geboren, war Bert 15 Jahre alt, als die Kristallnacht stattfand. Am 9. November 1938 begann die Randale, indem Sturmtruppen und SS-Männer überall in Deutschland Synagogen angriffen, deren Glasfenster zerstörten und die Innenräume in Brand steckten. Andere Nazis, Zivilisten und Militärs, griffen jüdische Ladenbesitzer an, stießen und schlugen sie bewusstlos.

Bert zuckte vor Angst zusammen, als er sah, wie „Schaufenster eingeschlagen wurden … Nazi-Plünderer nahmen Pelze, Schmuck, Kleidung, Möbel und alles mit, was sie tragen konnten.“ Lewyn schrieb, dass er sechs Jahrzehnte später „immer noch den Rauch der ständig brennenden Berliner Synagogen riechen konnte“.


Als Teil seiner persönlichen Geschichte über das Überleben im nationalsozialistischen Berlin recherchierte er in den deutschen Archiven und fand einen wichtigen militärischen Befehl der Nazis, der beschreibt, was in der Reichspogromnacht geschehen sollte.

Für sein Buch hat er das Dokument, unterzeichnet von Reinhard Heydrich, dem stellvertretenden Chef der Gestapo, im deutschen Original nachgedruckt und ins Englische übersetzt. Einundsiebzig Jahre später, was für ein Augenöffner; in jedem Satz des Beschlusses wird genau dargelegt, wie die Kristallnacht in ganz Deutschland stattfinden sollte – kein Detail ist verloren gegangen.


Doch die Geschichte von Bert Lewyn ist umfangreicher als nur dieses Ereignis in seinen Teenagerjahren, so schrecklich es auch war.


In „On the Run in Nazi Berlin“ erzählt er eindringlich, was er in den Jahren 1942 bis 1945 täglich tun musste, um am Leben zu bleiben, als er als selbsternanntes „U-Boot“ heimlich in den Häusern freundlicher Seelen lebte, mal in der Gestalt eines SS-Mannes, mal in ausgebombten Gebäudeskeletten oder in einem Gestapo-Gefängnis, aus dem er floh, und dann im Haus von Freunden am Ende des Krieges, wo das größte „Wunder“ von allen geschah: daß es ihm gelang, die russischen Soldaten zu überzeugen, daß er ein Jude und kein untergetauchter Nazi war.


(ursprünglich 09.11.2009, Jerusalem Post)

Spuren der Kristallnacht
Spuren in Berlin

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