Emil Fischer: der Wissenschaftler
- rainStein
- 11. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli
Fast niemand kennt ihn - heute. Das war einmal ganz anders. Da kannte ihn die ganze Welt! Alle Medien, alle Politiker - und alle Forscher sowieso. Von Einstein bis Hahn - der Wissenschaftler Emil Fischer war allen ein Vorbild, er half allen, auch denen, denen niemand sonst half: Frauen und Juden. Ihm ging es nur um Leistung. Und so half er vor allem wie kein anderer dem Fortschritt, in Forschung, Medizin, Industrie, Landwirtschaft.
Er war der Korrekteste, Kreativste, Fleißigste von allen. Er experimentierte in einem Umfang, in einer Intensität und Kleinteiligkeit, mit einer solchen absoluten Zuverlässigkeit der Ergebnisse, einer Ausdauer und Vorstellungskraft, daß er die Gewißheiten seiner Zeit stürzte und riesige, hervorragend beackerte Forschungsfelder hinterließ. Noch die heutige Generation profitiert direkt davon!
Der Name Emil Fischer verkörpert Wissenschaft. Er war das, was Wissenschaft wirklich bedeutet und im besten Sinne leisten kann.
Emil Fischer hatte einen Blick weit in die Zukunft, aber auch auf die unmittelbaren Notwendigkeiten seiner Zeit. Er war unabhängig und unbestechlich im fachlichen Urteil und sah seine Aufgabe darin, solche Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit in der Forschungswelt zu etablieren. Daher arbeitet Wissenschaft noch heute oft in Strukturen, die von ihm geschaffen wurden (u.a. die heutigen "Max-Planck-Institute").
Das Wunder des Lebens, das Gegenstand seiner Forschung war, wurde vom Wissenschaftler Fischer mit allergrößtem Respekt behandelt.
Er fühlte sich dem Leben verpflichtet. Als Vater sorgte er sich viele Jahre hingebungsvoll um seinen psychisch erkrankten Sohn (während des Krieges verlor er zwei Söhne), als Forscher pflegte er bedeutsame Kontakte über alle Ländergrenzen hinweg, als Demokrat versuchte er, Deutschland im Angesicht der Niederlage eine neue Perspektive zu geben.
Erst der nicht behandelbare Krebs ließ ihn kapitulieren - aber bis zum letzten Tag arbeitete er, entschied in Gremien und sorgte sich um das Land.
Deutschland hat es dem größten seiner Wissenschaftler und dem ersten seiner Nobelpreisträger für Chemie (1902) wenig, fast nicht gedankt.
Am 15. Juli 1919 frühmorgens nahm sich Emil Fischer in seiner Villa in Berlin-Wannsee das Leben.
Lesen Sie mehr in dem populärwissenschaftlichen, spannenden Sachbuch von Dörthe Kähler und Dr. Andrea Betcke "Der Nobelpreisträger. Emil Fischer in Berlin - Eine Erkundungsreise." (rainStein 2009)


Kommentare