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Schweigen

Aktualisiert: 24. Feb. 2023

In der vergangenen Woche wurden wir hier im Tagebuch daran erinnert, wie sehr Überlebende und Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus bis heute leiden. Womit sie kämpfen. Wie schwer es ist, über radikalen Verlust, das Gemordetsein der Liebsten, ins Nichtsein Getretensein des eigenen Volkes zu sprechen. Wie sehr die Worte fehlen. Mögen Gedanken, Emotionen im Innern brennen- sie finden die Sprache nicht. Vielleicht weil niemand da ist, der bereit oder fähig ist, zu hören? Vielleicht, weil die, die bereit und fähig wären, die Falschen sind: Die eigenen Kinder, die, erführen sie von dem, was war, fortan unheilbare Wunden in sich tragen würden.


Von solcherart Wunden sprechen viele rainStein-Bücher.

Von jenem Ringen sind Lyrik, Berichte und Prosa derer erfüllt, denen rainStein ein Anker und Fenster zur Welt geworden ist.


Es gibt aber auch das andere Schweigen: es liegt auf jenen, die die Täter waren.

Auch hier die große Wand, die daran hindert, zu erzählen: Wie denn? Wem? Wer bin ich dann, wenn die Worte einmal gesprochen sind? Wer werde ich noch sein können?

Umso bitterer und härter die Fragen und Leiden der Kinder. Es sei denn, sie wischen das Undenkbare, erfahren sie vom Dunklen, fort. Werfen es hinter sich und ziehen für ihr Dasein die Stiefel abwehrender Blindheit an.

Auf dieser Seite fällt das Fortwischen leichter. Warum sollte einer mit Schuld und Scham leben?


Es gibt auch das Schweigen der Zeugen. Sie sahen, wußten. Sahen aber nicht, was sie tun konnten. Oder wer ihrem Zeugnis Glauben schenken würde.


Es gibt sogar das Schweigen der Retter. Ihre Tat wollen sie nicht ausstellen, es gehört sich nicht, das Leiden der Anderen deckt (fast) alles zu. Was übrig bleibt, vernichtet der dunkle Neid derer, die nicht gerettet haben.


Von all dem spricht der erste rainStein-Roman. Er erschien in Zeiten der Pandemie und konnte nicht in die Welt hinein gelesen werden. Bei seinem Erscheinen erlebte er eine neue Art Schweigen.


Nun aber kann er gehört werden: "Hinter dem Schweigen" ist von eigenem Schmerz, eigener Sprachlosigkeit und inniger, strahlender Lebensbejahung erfüllt.


Sprechen Sie uns an! Hanna Ringena wird Ihrem Ruf zu einer Lesung folgen.









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